Celtman - wenn eine Langdistanz plötzlich wie Wellnessurlaub wirkt
- sabine.reitinger
- vor 18 Stunden
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Des österreichischen Triathleten heiligste Pflicht ist es bekanntlich, zumindest einmal im Leben beim Ironman Klagenfurt zu starten. Während also ein Teil unserer Truppe dieser Verpflichtung auch heuer pflichtbewusst nachkam, zog es Markus trotzdem in deutlich nördlichere Gefilde. Der Grund: Er hat sich vor einigen Jahren einer anderen Sekte angeschlossen – dem Extrem-Triathlon.
Nun könnte man meinen, eine Langdistanz sei bereits extrem genug. Falsch gedacht. Es gibt nämlich noch eine Steigerungsform: die XTRI-Serie. Den Norseman und den Swissman hat Markus bereits erfolgreich absolviert, heuer stand der Celtman in den schottischen Highlands auf dem Programm.
Das Konzept klingt eigentlich ganz harmlos: Man schwimmt gemeinsam mit Quallen 3,4 Kilometer in einem ungefähr 10 Grad warmen Meer. Danach fährt man 202 Kilometer Rad durch die schottischen Hügel mit rund 2.200 Höhenmetern, bevor man zum Abschluss noch einen Marathon durch Moore, Flüsse und über Berge mit weiteren 1.600 Höhenmetern absolvieren darf. Schnelligkeit zahlt sich dabei durchaus aus, denn auch die schottischen Midges - winzige Mückenschwärme mit der Aggressivität einer Horde ausgehungerter Piranhas - haben sich diesen Tag traditionell rot im Kalender markiert.
Neben der körperlichen Leistungsfähigkeit braucht man für einen XTRI aber noch etwas anderes: einen besten Freund, der verrückt genug ist, das alles freiwillig mitzumachen. Aus Sicherheitsgründen benötigt nämlich jeder Athlet auf Teilen der Laufstrecke einen Support Runner. Glücklicherweise verfügt Markus über genau so einen Freund, der ihn seit Jahren in allen Lebens- und Höhenlagen begleitet. Also machten wir uns zu viert auf den Weg nach Schottland, denn mit weiblicher Begleitung ist bekanntlich alles besser.
Die Wettervorhersage ließ die Stimmung jedenfalls kochen: 8 Grad, Dauerregen und Sturmböen bis zu 80 km/h. Yay!
Der Wecker klingelte um 2:15 Uhr. Um 3:00 Uhr war Bike Check-in, um 4:15 Uhr brachte uns ein Bus zum Schwimmstart. Immerhin hatte Markus beim Schwimmen die Strömung auf seiner Seite und konnte den ersten Abschnitt wie geplant absolvieren.
Nach 1:08 Stunden im kalten Meer war allerdings Feinmotorik eher ein theoretisches Konzept. Hier kam das Supportteam erstmals zum Einsatz: Wir übernahmen Markus, rissen ihm die nasse Kleidung vom Leib, verpackten ihn in trockene Sachen und setzten ihn möglichst rasch wieder aufs Rad. Zum Aufwärmen durfte er gleich einmal einen Hügel hinauffahren. Das waren dann allerdings auch die einzigen drei trockenen Minuten des Tages, denn ab diesem Zeitpunkt öffnete der schottische Himmel sämtliche Schleusen. Es schüttete derart heftig, als hätte das Wetter persönlich etwas gegen Triathleten. Das Supportauto hatte phasenweise Mühe, Markus überhaupt zu folgen – so schnell war er trotz der Bedingungen unterwegs. Die geplanten Verpflegungsstopps konnten wir aber problemlos einhalten. Externen Support gibt es beim Celtman nämlich nicht. Der verrückte beste Freund und die Freundin müssen im Auto hinterherfahren, Verpflegung reichen, motivieren, navigieren und im Bedarfsfall auch körperliche Gewalt androhen.

Auf den letzten 40 Kilometern durfte das Supportteam dann ein wenig durchatmen. Nicht etwa, weil die Strecke leichter geworden wäre, sondern weil Markus mit heftigstem Gegenwind beschäftigt war. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört, sodass der Wind die dankbare Aufgabe übernahm, Frisur und Gewand zu trocknen und gleichzeitig die letzten Kraftreserven aus den Beinen zu saugen.
In der zweiten Wechselzone bekamen wir schließlich einen ersten Eindruck davon, was auf der Laufstrecke wartete: Schlamm. Sehr viel Schlamm. Eigentlich bestand die Strecke aus Schlamm, unterbrochen von einzelnen Schlammpassagen und gelegentlichen Flussdurchquerungen. Von „Laufen“ zu sprechen wäre fast schon übertrieben, denn wer es damit zu eilig hatte, riskierte, seine Schuhe dauerhaft im Moor zu versenken.
Normalerweise entscheidet die Geschwindigkeit darüber, ob man die prestigeträchtige High Route absolvieren darf oder auf die sogenannte Low Route geschickt wird. Heuer war das Wetter allerdings selbst den Schotten zu schottisch und so führte der Weg für alle weiter quer durchs Moor. Immerhin hatten die berüchtigten Midges durch die tagelangen Regenfälle offenbar selbst die Orientierung verloren, sodass die gefürchteten Mückenschwärme weitgehend ausblieben.
Nach der Eiseskälte auf dem Rad wurde es auf der Laufstrecke dafür ziemlich warm. Nach 15 Kilometern einsamen Kampfes durch den Schlamm und einen Fluss stieß dann der Supportrunner wieder zu Markus und sie kämpften sich gemeinsam durch die Wildnis, während sie die dabei über der Frage kontemplierten: Wieso meldet man sich freiwillig für sowas an? Eine Antwort haben die beiden zwar nicht gefunden, aber sie sind wohlbehalten nach 15:30h im Ziel angekommen und haben sogar die lange Wartezeit (>1h!) in der Pizzaschlange überlebt.
Herzliche Gratulation zu einer beeindruckenden Leistung beim Celtman, Markus!




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